Nachdem der Mensch geboren wurde, muss er der ganzen Welt mitteilen, dass er nun „angekommen” ist und dazu bedarf der Mensch die emotional extrovertierte Kraft des männlichen Merkurs.

Dieser blitzschnelle Merkur, der als Planet quasi in unmittelbarer Nähe der Sonne seine Bahnen um diese kreist, ist ein Manifest der geborenen solaren Bedürftigkeit.

Egal, was unser innerer Mond auch immer als Mangel des nicht mehr ganz sein zu spüren bekommt, Merkurs Aufgabe wird die Folgende sein, jedem von der inneren solaren Befindlichkeit erzählen zu wollen, damit es der allmächtigen Sonne „endlich” wieder gut gehen kann.

Nach dem der Mond in uns den Verlust der Gänze schmerzhaft fühlen „durfte“, muss nun Merkur dafür Sorge tragen, dass der Mangel in eine „hörbare” Form gebracht werden kann - daraus entsteht ein innerer Dialog der Wunschformulierung, welche ausnahmslos darauf abzielen, den lunarisch gefühlten Mangel irgendwie beheben zu können.

Da die Sonne, (Zeus = Vater Merkurs) den Status Vater aller Götter und Göttinnen inne hat, versteht sich von selbst, dass Merkur in der griechischen Mythologie auch den Namen eines Götterboten sein eigen nennen darf, der als halb Mensch (ICH), halb Gott (NICHTICH) die Verbindung zwischen diesen beiden gegensätzlichen Welten herstellt.

In der Mythologie wird Merkur auch als das Prinzip umschrieben, welches den Göttern das Licht gestohlen hat, um es den Menschen (Erde) zu bringen - so kann der durch Merkur formulierte Wunsch des Menschen dem NICHTICH (Himmel) das entlocken, entreissen, stehlen, was das eigene ICH so sehr bedarf - ist doch eine Überlegung werde, oder?!

An dieser Stelle sei vielleicht erwähnt, dass wenn hier von einem Gott gesprochen wird, wohl eher unser innere, solare Gott EGO der Erste gemeint ist, als die virtuellen Gottheiten hoch droben im grenzenlosen Himmel, die eh nur ermahnende Fiktionen unseres zum Glauben verdammten „Idealbild-Konzeptes“ sind. Merkur ist Zeus gleichermassen verpflichtet, wie es der reale Planet Merkur gegenüber der Sonne ist.

Mit einem maximalen Winkelabstand von rund 25° befindet sich Merkur immer in unmittelbarer Nähe zum astronomischen Zentralgestirn. Diese untrennbare Nähe von Sonne und Merkur bringt auf schöne Weise zum Ausdruck, dass ALLES und ich meine ALLES, das „Gute“ wie das „Böse“, was auf unsere Dasein-Müssende Wunschformulierung unseren Weg „ins ersehnte Glück der egozentrischen Fülle“ dereinst kreuzen wird, in Wahrheit von unserer inneren, halbherzigen Sonne ins (in unser) Leben gerufen wurde, nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass wir uns für das „Gute“ selbstgerecht und lobpreisend auf die Schulter klopfen, während wir für das scheinbar „Böse“, das unserem Wunsch oppositionell entgegen wirkende, die subversiv daherkommenden Gestalten der NICHTICH-seienden Welt verantwortlichen machen wollen, um diese an den fingerzeigenden Pranger unserer kollektiv-neurotisierten Schuldzuweisung stellen zu dürfen.

Durch den Umstand, dass Merkur zum einen mit unserer inneren Sonne, unserem federführenden EGO einen inneren, für die Welt unseres allgegenwärtigen NICHTICHs unhörbaren Monolog führt, um die diffusen Gefühle unseres Mondes in eine auf ein fassbares ETWAS bezogene konkrete Formulierung: „Das könnte mir zu meinem Glück noch fehlen“ bringen zu können, muss Merkur nun zum anderen dieses innere Zwiegespräch der Welt als konkreter Wunsch mitteilen, sodass jeder dahingehend Bescheid weiss, wo mein Weg mich künftig hinführen soll und diese Seite ist um den wechselwirkenden Dialog mit der Welt unseres NICHTICHs besorgt, damit diese sich auf unsere Bedürftigkeiten entsprechend einstellen kann.

Man könnte Merkur auch als das extrovertiert männliche Sprachrohr unserer introvertiert weiblichen Befindlichkeit bezeichnen, der im Auftrag unserer inneren Sonne stets dafür sorgen muss, dass die lunarisch gefühlte aus den Fugen geratene Befindlichkeit der schwarzlichtigen Harmonie und damit unser nun fühlbarer Mangel in einem im „Da” avisierbaren Objekt der weisslichtigen Begierde hoffentlich wieder aufgehoben, im Sinne von auffüllend ausgeglichen werden kann.

Wenn der Mensch also einen „kleinen Hunger“ verspürt, dann ist es unbestritten die Aufgabe unseres inneren Mondes diesen Mangel des gesättigt SEINs wahrzunehmen, doch was nützt es unserem nach scheinbarer Ganzheitlichkeit dürstenden EGO, wenn ihn keiner auf diesen schieflastigen Umstand aufmerksam macht und genau hier, exakt an dieser Stelle innerhalb der Ebene der fühlbaren Mangel/Wunsch-Bedürftigkeit betritt nun Merkur die Bühne des egomanischen Lebens.

Nur er ist dazu auserkoren unser EGO durch die Fähigkeit des sprach- und bildgewaltigen Monologes auf diesen inneren Missstand aufmerksam zu machen, sodass unserem inneren Gott bewusst werden kann, dass ihm doch tatsächlich ETWAS zu seinem Glück zu fehlen scheint.

Nun muss Merkur seine extrovertierte Seite herausholen, um den „gefühlten“ Mangel in einen „fass- und realisierbaren“ Wunsch einzupacken, den es als mögliches Ziel in der Welt des NICHTICHs erreichen will, denn dieses idealisierte Ziel verspricht uns sozusagen den Mangel aufzuheben, sodass in unserer „Brust” endlich wieder Ruhe ein-kehren kann - Merkur steht dem CLAVIskopal 4. Haus der emotionalen Wunschformulierung vor.

Das Prinzip, welches das 3. Haus mit seiner Anwesendheit beehrt, repräsentiert das Ziel unserer ins „Da“ ausgerichteten Wünsche. Das tatsächliche Erreichen dieser merkurianisch ausgesprochenen Wunsch/Zielformulierung verspricht als Lohn der Bemühungen dem CLAVIskopeigner eine maximale, dennoch nur scheinbare, Erfüllung seiner Selbst zu garantieren, was einem Platz im Paradies nicht unähnlich ist, leider eben nur auf der Erde.

MERKUR

Das Prinzip der emotionalen Wunschformulierung

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